Die Phase der „imaginären Amerikanisierung meiner Person“, wie der Erzähler in W.G. Sebalds Erzählung „Ambros Adelwarth“ so passend schreibt, ist vorbei. Ich bin hier, vor Ort. Und dennoch bleibt ein Rest Imagination, denn alles was man sieht, ist überlagert mit dem, was man zu kennen glaubt und zu ‚wissen‘ scheint von diesem großen Land. Das „Simulationsprojekt“ hat ein Ende. Zur Simulation kommt eine Schicht Wirklichkeit hinzu: weißes kalifornisches Licht, das jeden Tag zur gleichen Zeit - von der Mitte der Bay aus - goldene Strahlen aussendet, unzählige Eichhörnchen, die von Campustouristen (das Wort existiert hier und es gibt sie wirklich) gefüttert werden, amerikanischer Kaffee, der aus heißem Wasser mit Coffein besteht und unzählige Asiaten, die jede ihrer Handlungen und Verrichtungen schweigend verrichten.
Die ersten Tage ist man wahrscheinlich geblendet, von Weisheit und geschwächt, weil es einbricht (nicht ausbricht) in Ort und Körper. Baudrillard schreibt: „Die Beschleunigung der Moleküle der Hitze führt zu einer subtilen Schwächung des Sinns.“ Diese Schwächung ist nicht nur Überwältigung oder Überrumpelung, es ist eine Schwächung, die einen einnimmt voll und ganz. To be wrapped into s.th.! wie ein gewisser Professor aus einer benachbarten Universität so gerne sagt.
Gestern beim Dinner habe ich einen Princeton-Absolventen kennen lernen dürfen. „Rückblickend kann man sagen, dass er gar nicht existiert hat als Privatperson, dass er nur mehr aus Korrektheit bestand.“ Ironische Bemerkungen meinerseits über deutsche Holocaustfilme waren da eher unangebracht, obwohl ich in seiner Bemerkung, er sein ein großer History Fan einen Hauch Ironie hineingehört habe. Wie kann man Fan von vergangenen Zeiten sein? Kann man Fan von Platon sein?
Das Licht kommt zuverlässig. Man kann von hier oben zusehen, wie gegen 7 p.m. die Dunkelheit über die Bay hereinzieht, wie sie heraufbeschworen wird aus den kunterbunten Vorgärten und die Postkartenaussicht auf The City für wenigstens 12 Stunden unterbrochen wird, und eine metallisch-bleierne Trübe einsetzt, die kein Außen zu haben scheint.
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